Bücher für Erwachsene

Nuckeldecke

Ich begann dieses Buch an einem Tag, an dem ich zum Frühstück alleine war. Mein Frühstück wurde seeehr lang, da ich dieses Buch nicht mehr weglegen konnte. Bei keinem Kapitel konnte ich eine Pause einlegen, außer dafür, mir Taschentücher zu holen, weil meine Augen so schwammen, dass ein Weiterlesen unmöglich wurde.

Es ist eine Geschichte wie sie in der Nachkriegszeit vermutlich unzählige Male geschehen ist und von der Adoptiveltern inzwischen genau wissen, dass man dies „nicht tun sollte“.

Rainer Wrage wurde adoptiert und die Adoptiveltern fanden nie den richtigen Zeitpunkt, es ihm auch mit zu teilen. Wie wichtig das aber wirklich ist, wird im Buch an vielen Stellen sehr emotional deutlich. Dabei verlangt der Autor nie Mitleid, sondern beschreibt sehr offen seine Gefühle und die Motivationen, die sein Handeln bestimmen.

Die Beschreibung seiner Kindheit zeigt, dass das Urvertrauen fehlt. Als Kind kann er dies aber so nicht benennen und seine Beschreibung dieser Gefühle, die damit verbunden sind, lassen den Leser ganz tief in die Kinderseele eintauchen. Auch im weiteren Verlauf der Lebensgeschichte erlebt der Leser einfach mit, wie Gefühle von Einsamkeit aber auch das ständige Streben nach Anerkennung, Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.

Sehr eindrücklich schildert der Autor zum einen die große Enttäuschung, die er erlebt, als er auf dem Standesamt erfährt, dass er adoptiert ist. Zum anderen wird aber im ganzen Buch immer wieder deutlich, dass auch eine Adoptivfamilie, die es nicht schafft, ganz nah an das Adoptivkind heran zu kommen, positiv Prägendes mit auf den Weg gibt. Ihre Bemühungen dürfen allerdings nie nachlassen. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, ist auch die Angst, den Status der „Eltern“ an die leiblichen Eltern zu verlieren, unbegründet. Liebe kann viele Gesichter und viele unterschiedliche Ausprägungen haben, das wird in dieser Erzählung immer wieder deutlich.

Rainer Wrage empfiehlt sein Buch vor allem für Menschen, die vor einer Adoption stehen. Er möchte ihnen die Wichtigkeit der Offenheit ganz deutlich machen.

Ich finde aber, es hat gerade auch für Adoptiveltern, deren Kinder langsam erwachsen werden, ganz viel zu bieten. Es wird kein „Fachwissen“ mit Fachworten vermittelt, sondern der Autor lässt den Leser an seinem Leben und dem immer wiederkehrenden Gefühlschaos teilhaben. Deshalb denke ich, dass Adoptiveltern aus diesem Buch mehr Verständnis für die Gefühlswelt ihrer Kinder mitnehmen können als aus manchem Fachbuch.

So sind es die kleinen Sätze, die mich bewegt haben und in denen ich Argumente unserer Kinder wiederfinde und auch bestätigt finde. Mir als Adoptivmutter gibt dies zusätzlich Sicherheit und Rückhalt darin, manches anders zu machen und auch „komische“ Begründungen unserer Kinder zuzulassen. Sie haben ihren Grund dafür und der liegt oft in einem Gefühlschaos, das man nicht einfach „weglieben“ kann. (Siehe auch unsere Erfahrungen „Trotzdem bin ich manchmal traurig“)

Rainer Wrages Schlusswort als Appell an zukünftige Adoptiveltern, es einfach besser zu machen, wirkt sehr ernst und aus tiefstem Herzen kommend. Einzig schade finde ich, dass er die Mutter-Vater-Konstellation als beste für ein Adoptivkind propagiert, obwohl ich auch dies als Ausdruck seines Wunschs „das beste für das Kind zu wollen“ sehe. Sein Anspruch an zukünftige Adoptiveltern fordert vor allem eine gute Vorbereitung und die Bereitschaft zu bedingungsloser Annahme und Ehrlichkeit. Und jeder, der daran auch nur ansatzweise interessiert ist, sollte sich die Zeit nehmen, dieses Buch zu lesen!

 

Anders Mutter werden

Charlotte Weiss schreibt über ihre Erfahrungen im ersten Jahr nach einer Auslandsadoption.

Der Einstieg fesselt den Leser und nimmt ihn direkt mit in den Alltag, in dem insbesondere in der ersten Zeit des Familie-werdens die Gefühle Achterbahn fahren. Hier habe ich mich der Autorin sehr nahe gefühlt, denn auch ich wusste vor der Adoption unserer Kinder nicht, wie hoch und wie tief Gefühlsausschläge tatsächlich gehen können. Im Vergleich dazu erscheint plötzlich das Leben vor der Adoption schon fast seicht und langweilig 😉

Es folgt ein Rückblick, der den Adoptionsweg mit dem Prozess der Entscheidungsfindung, Rückschlägen und neuen Wegen kurz, aber prägnant so beschreibt, dass man sich darin wiederfinden kann – egal aus welchem Land man adoptiert (hat).

Die weitere Erzählung der Startschwierigkeiten und des Hineinwachsens in den Alltag als Familie läuft ab wie in gängigen Adoptionsratgebern beschrieben – hier aber in Tagebuchform mit Leben gefüllt. Der Anspruch der Autorin, sehr persönlich über allgemeine Probleme im ersten Jahr als Familie zu schreiben, gelingt im ganzen Buch sehr gut. Es berührt den Leser und nimmt ihn mit in einen Familienalltag, der von außen betrachtet ungewöhnlich, für Adoptiveltern jedoch ziemlich normal ist. Insbesondere die immer wiederkehrende Hilflosigkeit, die Adoptivkinder zu Verhaltensweisen verleitet, die Außenstehende nicht verstehen, wird sehr klar dargestellt. Jede Adoptivfamilie hofft dabei in jeder Institution erneut auf Verständnis, findet es aber nicht unbedingt. Mit ihren sehr persönlichen Aussagen über die Andersartigkeit der Elternrolle und den damit auch verbundenen Zweifeln auf der Suche nach einer ganz eigenen Selbstsicherheit, spricht die Autorin vielen aus dem Herzen. Außenstehende können dieses Gefühlschaos zwischen unendlicher Liebe und tiefer Verzweiflung, alles falsch (weil anders) zu machen definitiv nicht nachvollziehen. Wem ein Austausch darüber wichtig ist, der findet sich in diesem Buch wieder.

Für viele Adoptiveltern ist es in der ersten Zeit oft schwierig, zu besonderen Verhaltensweisen des Kindes Stellung zu beziehen. Man hinterfragt sich sehr viel, weil man sich mit „normalen Familien“ vergleicht und sich natürlich auch Normalität wünscht. Das Selbstbewusstsein, andere Wege zu gehen, damit die Kinder in Ruhe nachholen und sich in ihrem Tempo weiter entwickeln können, muss in jeder Adoptivfamilie erst wachsen. Wie es wächst, beschreibt dieses Buch sehr offen und hilfreich!

 

Faith - Adoption in Kenia

Der Adoptionsweg dieses Paares beginnt ein wenig anders als bei vielen anderen. Nicht aus unerfülltem Kinderwunsch, sondern als Christen wollen sie helfen, das Leid der Aidswaisen in Südafrika zu lindern und deshalb einfach einem Kind, das schon auf der Welt ist, eine Familie geben, bevor sie leibliche Kinder bekommen. Ein guter Gedanke, der aber nach drei Jahren vergeblichen Wartens doch zu einer Adoption in in einem anderen Land, in Kenia führt.

Der Weg dorthin ist – wie jede Adoption - von Höhen und Tiefen geprägt. Obwohl eine Adoption in Kenia nicht der Weg ist, den viele Paare auf sich nehmen, ist die Geschichte dieser Adoption anderen Auslandsadoptionen nicht unähnlich.

Zu Beginn des Buches werden in Gesprächen all die Einwände und Fragen aufgeworfen und geklärt, die allen Bewerbern für ein Kind aus dem Ausland irgendwann in ähnlicher Form begegnen.

Jedes Kapitel beginnt mit einem interessanten Sinnspruch aus Afrika, die alleine für sich schon sehr lesenswert sind!

Für Bewerberpaare zeigt dieses Buch, worauf sie sich realistisch einstellen können, auch wenn sie aus einem anderen Land adoptieren wollen. Natürlich ist die Zeit, die man in Kenia verbleiben muss, bis die Adoption ausgesprochen wird, extrem lang. Die Probleme und Hürden, die man innerhalb des Prozesses bewältigen und verkraften muss, unterscheiden sich aber trotzdem nicht so sehr von anderen Ländern. Wer sich von dieser Geschichte nicht abschrecken lässt, der kann eine Auslandsadoption sicher bewältigen. So viele unverhoffte Umstände, nicht zuletzt begründet in kulturellen Unterschieden und der Tatsache, dass sie mit ihrem großen Hund unterwegs sind, sowie zusätzlich der Zeitdruck aufgrund einer Schwangerschaft, begegnen sicherlich (hoffentlich) nur den wenigsten Paaren, die im Ausland adoptieren.

Für Adoptivfamilien ist dieses Buch eine interessante Erzählung, die sicherlich viele Parallelen zur eigenen Adoptionsgeschichte erkennen lässt. Wer dieses Buch gelesen hat, weiß, dass es Adoptiveltern grundsätzlich in jedem Adoptionsprozess ähnlich ergeht und viele Probleme und Hürden trotz unterschiedlicher Länder irgendwie doch gleich sind. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich beim Lesen öfter dankbar an unsere Vermittlungsstelle und die Betreuung vor Ort erinnert habe. Es ist noch einmal eine ganz besondere Hürde und kostet viel mehr Kraft und Nerven, wenn man einen Adoptionsweg geht, den vorher noch nicht viele andere auch gegangen sind.

Ein lesenswertes Buch, ansprechend und spannend geschrieben, wobei es einfach Geschmacksache ist, ob man den Erzählstil, der überwiegend aus wörtlicher Rede besteht, mag. Schön ist, dass der Autor bei den interessanten Fakten bleibt, auch schon mal Tage überspringt, und sich so nicht in langweiligen Nebensächlichkeiten verliert. Einmal in der Geschichte drin, lässt sich das Buch schwer wieder zur Seite legen, da ständig etwas Neues passiert, in das man sich als Leser gut einfühlen kann.

Hope - Adoption in Haiti

Die 2. Adoption der Familie Schumann wurde ebenfalls als mitreißendes, emotionales Buch veröffentlicht.

Das Buch schließt sich als direkte Fortsetzung der 1. Adoptionsgeschichte an, so dass der Leser auch ein wenig von der Zeit nach Kenia und vor der 2. Adoption erfährt. Das ist besonders schön zu lesen, wenn man das erste Buch auch kennt und schafft am Anfang eine große Vertrautheit, die einen schnell in die Geschichte zieht. Die kurzweilige Erzählweise trägt dazu bei, dass man das Buch eigentlich nicht wieder aus der Hand legen mag, bevor man es durchgelesen hat.

Während die erste Adoption eher einen ungewöhnlichen Weg beschreibt, den nicht alle Bewerberpaare auch gehen können, weil sie nicht die Zeit und finanziellen Möglichkeiten haben, sechs Monate in Kenia zu leben, beschreibt die 2. Adoption eine – wie ich finde – „normale“ Auslandsadoption. Das ist der Grund, warum ich dieses Buch für Bewerber noch viel interessanter und hilfreicher finde, denn es sind Erfahrungen, die man selbst machen kann, wenn man aus Haiti adoptieren möchte. Sehr realistisch setzt sich der Autor auch mit Problemen und Hindernissen auseinander, die immer wieder auftreten können und bei denen es gut ist, die Unterstützung einer guten, erfahrenen Auslandsvermittlungsstelle zu haben.

Mir hat es viel Freude gemacht, das Buch zu lesen und ein weiteres Stück am Leben dieser sympathischen und engagierten Familie Schumann teilzuhaben.

 

Tinka

Während eines Krieges wird ein Kätzchen, Tinka, geboren. Die Eltern legen ihr Katzenkind zusammen mit ihrer letzten Hoffnung in eine Kiste aus Bambusholz und schicken es damit auf eine Reise zur anderen Seite des Meeres.

Dort wird die Kiste von einem jungen (Katzen)Paar gefunden. Beide wissen sofort, dass dies ihr erstes Kind sein soll. Tinka erholt sich langsam von der Angst der letzten Nächte und ist einfach Kind. Sie bekommt noch weitere Geschwister und eines Tages erzählen die Eltern ihr, wie sie zu ihnen gekommen ist. Von da an werden Tinkas widersprüchliche Gefühle beschrieben und als Leser kann man auch die tiefe Traurigkeit sehr gut nachempfinden. Diese Traurigkeit ist unabhängig von der Liebe der Familie einfach da und Tinka findet einen Weg, sie in ihr Leben zu integrieren. Sie ist traurig und glücklich, denn sie weiß, dass sie auf beiden Seiten des Meeres geliebt wird.

Es ist meiner Meinung nach weniger ein Vorlesebuch als ein Buch für Adoptiveltern, die versuchen die Gefühle ihres Kindes nachzuvollziehen und eine Gesprächsgrundlage suchen. Dies gelingt mit diesem Buch auf herzergreifende Weise.

Die Aufmachung dieses Buchs - ein Bilderbuch mit wenig Text – täuscht sehr über eine Bedeutung hinweg, die weit über das Alter, in dem man gewöhnlich Bilderbücher liest, hinausgeht.

 

Wurzeln für Lisa
Brief an meine unbekannte Tochter

Die Entscheidung zur Adoptionsfreigabe ihrer Tochter wurde ihr „zu ihrem Wohl und dem des Kindes“ von der Familie abgenommen…

Wenn man als Kind nie ermutigt wird, selbständig zu sein, die Eltern jede Freiheit strafend unterdrücken, dann reicht die eigene Kraft nicht aus, sich mit 17 Jahren gegen eine solche Entscheidung aufzulehnen.

Nach einem darauf folgenden sehr langem Weg von weiteren Abhängigkeiten und Fehlentscheidungen gelingt es der Autorin nach vielen Jahren, endlich wirklich auf eigenen Beinen zu stehen und ihren weiteren Lebensweg eigenständig in die Hand zu nehmen. Diese Briefe zeigen eindrücklich, wie schwer es für einen Menschen ist, dem Einfluss der eigenen Familie zu entfliehen und sich auch als Erwachsener wirklich frei zu machen von Abhängigkeiten, zu denen man sich emotional verpflichtet fühlt.

Nachdem die Schreiberin der Briefe dies geschafft hat, hat sie den Mut, sich ihrer Tochter zuzuwenden. Diese ist inzwischen erwachsen und zeigt wenig Interesse an einem engen Kontakt. Die große Kluft zwischen dem Kind, das nichts vermisst und der leiblichen Mutter, die alles vermisst hat, wird deutlich. Für eine Frau, die ihr Kind nicht freiwillig abgegeben hat, ist dies sehr schwer zu ertragen. Sie möchte Ihrem Kind, denn das ist es für sie immer noch, alles geben, was sie kann – und das sind die Briefe, die ihre Lebensgeschichte und damit die Wurzeln für Lisa enthalten.

Die beschriebene Adoption liegt über 40 Jahre zurück und natürlich könnte man sagen, dass so etwas heute nicht mehr passiert … vielleicht nicht unbedingt in Deutschland …?

Dieses Buch hilft Adoptiveltern, sich in die Situation und die Gefühle abgebender Mütter einzufühlen und vielleicht ein wenig mehr nachzuvollziehen, dass Mütter Ihr Kind aus der Hand, aber selten ganz aus dem Herzen geben.

 

Wie viele Farben hat die Sehnsucht

Sehnsucht ist die Kraft, die unsere Träume in die Wirklichkeit trägt - Ein ganz besonderes Märchenbuch für Erwachsene!

Dieses Buch ist auch ein wunderschönes Geschenk für alle, die noch Mut zum Träumen finden.

Eines meiner Lieblingsmärchen ist "Die Steinpalme":
Ein in der Wüste verdurstend herumirrender Mann drückt in seiner Wut darüber, dass er kein Wasser hat, einen Stein mit aller Kraft in das Kronenherz einer jungen Palme. Dieser junge Baum wird unter der Last des Steins fast begraben, aber der Mann hat die Palme nicht töten können. Mit aller Kraft versucht sie immer mehr, den Stein abzuschütteln, bittet den Wind um Hilfe, aber es gelingt nicht. Die Palme möchte schon aufgeben, entscheidet sich aber dann doch, die Last des Steines anzunehmen. Sie nimmt ihn in die Mitte der Krone und wächst zunächst in die Breite, um die Last zu tragen. Sie klammert sich mit längeren Wurzeln tiefer in den Boden und stößt dabei auf eine Wasserader. Eine Quelle schießt nach oben und macht den Platz um die Palme zu einem besonderen Ort in der Wüste. Auch wenn andere Palmen am Strand höher und schöner gewachsen sind, ist die Steinpalme nun unbestritten der stärkste Baum dort.