wäre die Welt eine Wüste. (Jeremias Gotthelf) |
Wir wünschen uns ein Kind...
Es ist so viel Platz in unserem Herzen und vor allem in unserem Haus. Auch ein tobender Hund oder ein paar Katzen können diesen Platz nicht völlig ausfüllen. An manchen Abenden können wir die Stille hören. Das Fernsehen lenkt uns ab, ist aber auf Dauer genauso langweilig und eintönig, wie jedes Wochenende lange schlafen zu können. Selbst das Frühstück im Bett verliert immer mehr seinen Reiz und degradiert zur liebgewonnenen Gewohnheit. Sonntags spazieren wir an glücklichen Familien vorbei und fragen uns, ob auch wir jemals dazugehören.
Ohne Kinder wäre die Welt eine Wüste...
...einsam und leer. |
Wir wollen Eltern werden... Plötzlich sind da neue Fragen - viele Fragen und Gedanken, die wir als Paar miteinander austauschen. Hoffnung keimt, alte Probleme werden bewältigt, wir wachsen als Paar noch enger zusammen. Wechselbäder der Gefühle erwischen uns zu den unpassendsten Zeitpunkten, aber wir spüren, wir sind auf dem richtigen Weg. Ein Leben ohne Kinder erscheint uns undenkbar, aber auf dem Weg dorthin werden alle unsere Vorstellungen enttäuscht. Welchen Umweg wir auch wählen, er bringt uns nicht ans Ziel. Langsam verlieren wir das Ziel aus den Augen und setzen unsere ganze Energie dafür ein, den richtigen Weg zu finden.
Ohne Kinder wäre die Welt eine Wüste...
...einfach und hoffnungslos. |
Wir wollen ein Kind adoptieren...
Unser Entschluß ist fest und nun können wir endlich aktiv werden, ihn zu verwirklichen. Es gibt so viele Kinder auf dieser Welt, die keine Eltern haben, aber wer will uns als Adoptiveltern?
Wir stellen uns gegen alle Zweifel und binden uns als Paar damit noch enger aneinander. Unsere Überzeugung wächst. Viele Informationen müssen wir für uns sortieren und danach unseren Weg der Adoption wählen. Wir können uns nicht mehr hinter uns verstecken, wir müssen nach außen gehen, denn nun wird unsere Eignung auch von anderen in Frage gestellt. Wir entwickeln langsam neue Stärke, vertreten unseren Wunsch mit Überzeugung.
Euphorie und Depression können plötzlich so schnell wechseln wie das Wetter und wir erfahren wie Menschen empfinden, die von Behördenentscheidungen und auch -willkür abhängig sind.
Ohne Kinder ist die Welt eine Wüste...
...steinig und unüberschaubar. |
Wir warten auf den Kindervorschlag... Wir haben getan, was wir konnten, nun ist alles fertig. Bald werden auch wir endlich Eltern sein. Die Vorfreude und der Stolz, es bis hierhin geschafft zu haben, gibt uns neue Energie. Aber wohin damit??? Wir können uns freuen, nochmal lange auszuschlafen – das haben wir aber schon so viele Jahre, daß es nun langsam wirklich reicht. Wir können uns noch einen letzten schönen Wochenendtrip leisten – und noch einen – und noch einen.
Ohne Kinder ist die Welt eine Wüste...
...unendlich weit und scheinbar endlos. |
Endlich ist unser Kind da... Wir sind überglücklich und erfahren endlich wie viele Gefühle so ein kleiner Mensch in uns hervorrufen kann. Wir hätten nie gedacht, daß man so unendlich glücklich, aber auch so unendlich traurig sein kann. Wir hätten auch nie gedacht, daß es tatsächlich einen Samstag-/Sonntagvormittag gibt und was man da alles schaffen kann!
Gefühle werden viel facettenreicher, als wir es uns je vorstellen konnten. Kinderlachen und Kindergeschrei erfüllt unsere Wohnung. Überall hinterlassen die Kleinen ihre Spuren. Es ist unmöglich zu übersehen, in unserem Haus wohnen endlich Kinder. Das Leben mit Kindern ist so wunderbar, daß alleine dieses Glücksgefühl uns die Kraft gibt, den Alltag mit unseren Kindern zu bewältigen. Nur Abends können wir uns zurücklehnen und es wieder genießen, die Stille zu hören.
Ohne Kinder wäre die Welt eine Wüste...
...ruhig und aufgeräumt. |
Kerstin Blank-Bringmann (2005)