Vor ca. einem Jahr haben wir uns entschieden, ein weiteres Abenteuer zu wagen, diesmal aber eines auf Zeit: eine Gastschülerin!
Wenn man grundsätzlich offen ist für Neues, Interesse hat an anderen Kulturen und vor allem auch den eigenen Kindern ein wenig von der „großen weiten Welt“ nahe bringen möchte, ist dies eine wunderbare Möglichkeit.
Wir sahen einzig den Nachteil, dass wir mit unseren relativ kleinen Kindern keinen gleichaltrigen Ansprechpartner bieten konnten. Dieser vermeintliche Nachteil entwickelt sich nun aber immer mehr zum wirklichen Vorteil für unsere Gastschülerin.
Natürlich hat sie es bei den Hausaufgaben schwerer, weil sie nur uns fragen kann (und Worte aus Biologie, 11. Klasse stehen auch nicht im normalen Wörterbuch …), ABER dafür findet sie in der Schule Freunde, die ihr helfen, die auch nach den Unterrichtsstunden noch einmal das Wichtigste für sie übersetzen und zusammenfassen.
Sie ist nicht an gleichaltrige Gastgeschwister gebunden, bei denen vielleicht die Chemie nicht hundertprozentig stimmt und auch Konkurrenz erlebt wird, weil Gastschüler in der Eingewöhnungszeit doch viel Hilfe und Zuwendung benötigen. Diese Gastschüler haben es oft viel schwieriger, neben den Gastgeschwistern einen eigenen, wirklich zu ihrem Charakter passenden, Freundeskreis zu finden, weil sie sich erst einmal mutig genug fühlen müssen, auch eigene Wege zu gehen.
In unserer Familie ist die Gastschülerin für unsere Kinder keine große Konkurrenz. Natürlich ist die Aufmerksamkeit beim gemeinsamen Essen nun nicht mehr auf 2 sondern auf 3 Kinder verteilt und das nervt sie bisweilen schon (aber das nervt sie auch zu zweit ;-). Andererseits finden sie es einfach toll, dass sie nun bei den „doofen Aufgaben in der Küche“ eine weitere Hilfe haben…
Gerade weil der Altersunterschied so groß ist, gibt es aber nur sehr wenige Reibungspunkte und im Alltag einfach - anfangs netten - inzwischen sehr liebevollen Kontakt miteinander und unsere Kinder haben viele Berührungspunkte mit ihr, jedes auf seine Art.
Hierbei sollte man aber auch bedenken dass die Jugendlichen (zwischen 15 und 18 Jahren) aus unterschiedlichen Ländern/Kontinenten eben auch unterschiedliche Temperamente haben. So erlebten wir es z.B. bei anderen Familien durchaus, dass Probleme einfach aufgrund mangelnden Verständnisses für die Kultur und das Temperament des jeweiligen Gastschülers entstanden.
Wir haben eine Gastschülerin aus Asien und ich denke, dass auch sie nicht in jeder beliebigen Familie klargekommen wäre. Manche Klischees erfüllt sie voll … ;-) aber wir in ihren Augen auch! In anderen Dingen stellen wir erstaunt fest, dass vieles gar nicht so ist, wie wir das immer dachten …
Mir fällt es sehr schwer „über sie“ zu schreiben, denn immerhin ist sie schon 17 Jahre alt und muss auch allem, was ich hier von ihr veröffentliche, zustimmen.
Ich werde es mir in diesem Fall nun einfach machen und demnächst, Texte, die sie für diverse Berichte schreiben musste, in meinen Newsletter übernehmen.
Ich finde ihre Art zu schreiben (nicht so großer Wortschatz, aber sehr emotional und selbstbewusst) sehr schön und es macht so viel Freude als Gasteltern einen jungen Menschen bei dieser Entwicklung in einem völlig fremden Land zu begleiten – diese Erfahrung wünsche ich wirklich jedem!
Na, Abenteuerluft geschnuppert?
Wir haben unsere Gastschülerin über diese Organisation: www.afs.de
Es gibt aber auch einige andere, die alle ähnlich arbeiten. Ich denke, es ist sinnvoll eine Organisation zu finden, bei der man sich gut betreut fühlt, aber je nachdem wo man wohnt, ist es mit Ansprechpartnern in der Nähe manchmal etwas schwierig.
Wichtig ist, dass Schüler und Eltern Ansprechpartner haben, um Fragen zu klären und möglicherweise Hilfe bei der Vermittlung in Konfliktsituationen zu bekommen!
Hier findet man weitere Jugendaustauschorganisationen: www.aja-org.de
AJA ist der Dachverband gemeinnütziger Jugendaustausch-Organisationen in Deutschland
Ich würde mich sehr freuen, von jedem zu hören, der dieses Abenteuer auch wagt!!!!
Kerstin Blank-Bringmannn (Februar 2009)
Wenn Kinder ins "Pokemon-Alter" kommen, stehen Eltern vor der Entscheidung, ob dies nun gut oder schlecht ist fürs Kind ...
Natürlich kann ich diesen Comic-Mist einfach verbieten - aber haben nicht schon immer Verbote die Dinge besonders interessant gemacht? Das "heimlich-doch-bei-Oma-oder-Freunden-gucken" bekommt damit einen enormen Stellenwert und wird zum „Erziehungs-Thema“ bei dem Werte wie Ehrlichkeit und Offenheit schnell der elterlichen Machtausübung zum Opfer fallen können.
Ich denke, das muss nicht sein, denn nur mit ein bisschen Interesse seitens der Eltern fühlen sich die Kinder mit ihren Interessen verstanden und angenommen. Das ist eine gute Grundlage, Werte zu vermitteln. Natürlich ist es nicht toll, wenn man andere für sich kämpfen lässt und seine Stärke nur an der Kämpfkraft seiner Pokemons misst. Wenn man sich als Eltern aber in diese Machtphantasien der Kinder einfühlen kann, kann man ihnen auch helfen, andere Wege zu finden, sich stark zu fühlen.
Wir können als Eltern nicht Serien verurteilen, die (leider auch) vielen Kindern das geben, was sie in ihrer Familie vermissen! Es ist unsere Aufgabe aktiv zu werden, um unseren Kindern zu vermitteln, dass z.B. Stärke nur mit Verantwortung eingesetzt werden kann – und siehe da: auch Pokemon-Trainer sind verantwortungsbewusst und nehmen ihre (geliebten!) Pokemons aus dem Kampf, BEVOR ihre Kräfte ganz aufgebraucht sind!
Viele Pokemons sind auch „einfach süß“ und wecken „Beschützerinstinkte“ der Kinder. Ab einem gewissen Alter ist es für Mädchen - und ganz besonders auch für Jungen - nicht mehr „in“, Puppen zu bemuttern. Wie schön ist es, dass man dies mit seinen Pokemons, egal ob Junge oder Mädchen, offen tun kann!
Wenn ich mir ein Pokemon aussuchen dürfte, würde ich „Plinfa“ nehmen, einfach, weil ich es total süß finde. (Es ist gut, seinen Kindern gegenüber auch zu ihren Themen eine Meinung zu haben ;-) Dass es auch coole Attaken drauf hat, habe ich dann von meinen Kindern erfahren. Dass ich meinen „Plinfa“ aber nicht kämpfen lassen würde und warum und was ich stattdessen mit ihm machen würde … sind sehr interessante Diskussionsgrundlagen!
Ab und zu Pokemon im Fernsehen zu sehen, schadet meiner Meinung nach gesunden, selbstsicheren Kindern nicht. Vielmehr schadet es, dass sie in diese „ich muss wissen wie es weitergeht“ Abhängigkeit geraten können. Hier sind natürlich Eltern gefragt, die gerade aus dieser Situation heraus gut erklären können, WAS das Fernsehen da mit uns macht und wie hier versucht wird zu manipulieren und Abhängigkeiten zu schaffen. Es ist eine gute Lerngrundlage, die wir Eltern nutzen können, um das Selbstbewusstsein unserer Kinder zu stärken und ihnen die Wirkung von Fernsehserien zu erklären.
Natürlich gehört dazu auch, diese Serien anzuschauen, aber in dem Rahmen, der auch vorher für das Fernsehen zur Verfügung stand! Das sind bei uns z.B. eine bestimmte Anzahl von Wochenstunden.
Was ich für „pädagogische Zwecke“ übrigens total praktisch finde, ist die Sendezeit von Pokemon ;-) Die Serien laufen so früh nachmittags, dass Eltern, die „schon immer“ den Rhythmus Mittagessen-kurze Ruhepause-Hausaufgaben praktiziert haben, damit alleine alle Argumente zur Hand haben, die gegen regelmäßiges Anschauen dieser Serie sprechen!
Bei schönem Wetter spielen die Kinder bei uns nach den Hausaufgaben draußen und haben dabei sehr phantasievolle Ideen, Pokemons zu fangen und einzusetzen. Diese seltsamen kleinen Tierchen beflügeln ihre Phantasie, sie toben, rennen und klettern dabei – ja, was will ich denn mehr!
Ich denke, wir Eltern müssen offen sein für die Interessen unserer Kinder, denn wenn wir es im Grundschulalter nicht sind, werden wir von ihren Interessen als Jugendliche sicherlich nicht mehr viel erfahren!
Und: Es geht vorbei!
Je "normaler" unser Umgang mit den (wenn auch für uns Eltern unverständlichen) Interessen und Vorlieben unserer Kinder ist, desto normaler lassen sich diese auch in den Alltag integrieren und verlieren ihre herausragende Wichtigkeit.
Kerstin Blank-Bringmann (2009)
… und aus diesem Grund gibt es in der nächsten Newsletter-Ausgabe unseren „Pokemon“-Geburtstag mit tollen (einfachen) Spiel-Ideen, die kleinen Pokemon-Fans viel Freude machen (und trotzdem so ähnlich wie „normale“ Geburtstagsspiele sind) …!
Zum Jahresende 2008 habe ich erfahren, dass es den Verlag, der sich von mir die Vergabe der ISBN Nummer gut hat bezahlen lassen, nicht mehr gibt
... die Nachfolgefirma ist insolvent ...
... und die ISBN Nummer anzumelden wurde offensichtlich vergessen ...
Beide Bücher (Adoptions-Album, Erinnerungs-Buch) sind nun also NUR noch über AdoptivSinn zu bestellen !
"Erfahrung ist der Name, den jeder seinen Irrtümern gibt."
(Oscar Wilde, engl. Schriftsteller, 1854-1900)
Zufrieden mit den Newsletter-Themen?
Ich freue mich immer über Leserbriefe, die ich auch gerne veröffentliche!
Einige AdoptivSinn-Seiten enthalten am Seitenende die Funktion "Diese Seite weiterempfehlen" und ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn zufriedene Newsletter-Leser diese Funktion nutzen, um ihn wirklich weiter zu empfehlen:
http://www.adoptivsinn.de/Newsletter.188.0.html
Kulturschock ...
Uns haben diese Bücher (die es aber leider noch nicht für alle Länder gibt …) sehr geholfen, vieles in den Herkunftsländern unserer Kinder besser zu verstehen und ihnen auch besondere Dinge zu vermitteln und darüber ins Gespräch zu kommen. Außerdem hat es uns ganz konkret geholfen, unsere Gastschülerin einfühlsamer zu verstehen und wir hoffen sehr, dass uns bei einem Gegenbesuch in ihrem Land, in dem Höflichkeit sehr wichtig ist, nun weniger „deutsche Patzer“ passieren werden …
Der Newsletter kann gerne an Interessierte weitergeleitet werden!
Ich freue mich über Fragen/Anregungen und Leserbriefe!
Bitte mit entsprechendem Betreff an: info(at)adoptivsinn.de
Kerstin Blank-Bringmann
Wer sich ständig von Vernunft leiten läßt, ist nicht vernünftig.
(Charles Tschopp, schweizer Aphoristiker, 1899-1982)